Gedanken im Quadrat [Jetzt aus Berlin!]

Sonntag, Januar 06, 2008

Abschluss.

Eine Weile war das Blog ja schon mal geschlossen, schlicht und ergreifend, weil ich darüber nachdenken musste, wie es damit weitergehen soll.

Nun denn, die »Gedanken im Quadrat« schließen ihre digitalen Pforten. Das letzte Jahr war einerseits sehr ereignisreich, andererseits sehr öde, in jedem Fall aber extrem anstrengend. Und nun ist noch etwas offen, wie es weitergehen soll. Dabei fehlt mir zudem doch oft der Wille, hier noch Einträge zu posten – zumal solche, die dem ursprünglich gesetzten (und nicht immer erreichten) Anspruch genügen, inhaltlich wertvoll zu sein. Weiterhin hat sich auch der Name des Blogs überlebt, zu sehr der Titel noch mit Mannheim verbunden.

Somit endet meine Zeit als Blogger – zumindest vorerst – mit diesen Zeilen hier. Dieses Blog wird entgegen ursprünglichen Überlegungen nicht gelöscht, sondern darf einfach so stehen bleiben. Der ein oder andere Eintrag versteht sich schließlich explizit als Meinungsartikel und besitzt auch über den Tag hinaus Relevanz. Nicht alles würde ich heute wieder genauso schreiben, wie zum Zeitpunkt des Verfassens, aber es zeigt eine Entwicklung auf, und das ist ja auch was.

Gut möglich, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit dem bloggen anfange, oder dass es zumindest zeitlich begrenzte Reiseblogs geben könnte – aber das ist momentan noch nicht sicher und wird dann auch hier bekannt gegeben.

Bis dahin reite ich in den Sonnenuntergang und aus dem Off erklingt Johnny Chashs Interpretation von »We'll meet again«. Bis dahin, war nett!

Donnerstag, Oktober 04, 2007


Free Burma!

Sonntag, September 30, 2007

Gerade nichts los hier.

Stress aller Arten, aber auch zwei sehr gute Noten bislang.
Bald gehts weiter.


Donnerstag, September 27, 2007



Wo sind die humanitären Interventionen, wenn man sie braucht?

Via A-Team, siehe auch Nyein Chan Yar.

Sonntag, September 16, 2007

Gesinnungsethik.

Wären die Beschlüsse zu "Tornados", Isaf und "Enduring Freedom" auf dem Parteitag der Linken gefallen - man hätte sie mit etwas guten Willen als zögernde Schritte aus der Fundamentalopposition in die politische Realität interpretieren können. Für die ehemalige Regierungspartei Grüne aber gilt das Gegenteil. Die Göttinger Delegierten sehnen sich zurück in eine Welt, in der es wieder Gut und Böse, Schwarz und Weiß und Ja oder Nein gibt. Wer so etwas will, der aber gehört ins Kloster, nicht in die europäische Politik. Doch die Grünen wollen sich endlich wieder gut fühlen am linken Stammtisch, sie wollen endlich wieder einfache Slogans im rhetorischen Sortiment haben. Die ebenso komplizierte wie blutige Wirklichkeit Afghanistans, für die weder ein Joschka Fischer noch eine Angela Merkel verantwortlich sind, lässt sich aber mit stupiden Parolen weder verändern noch darstellen.
[…]
Die rot-grüne Regierung hat dem afghanischen Volk im Herbst 2001 massive militärische und zivile Hilfe versprochen. Nun nimmt die Partei Joschka Fischers einen erheblichen Teil dieses Versprechens zurück. Das ist politische Regression, man könnte auch Feigheit und Opportunismus dazu sagen. Mit einer klaren "Anti-Kriegs-Agenda" (als ob die Taliban für Frieden wären) zieht es sich natürlich bequemer in den Wahlkampf, zumal man die Linkspartei mit ihren betörend einfachen Antworten auch bei den Grünen fürchtet.


Streckenweise etwas zu flott getippt, im Kern aber absolut richtig: der Kommentar von Claus Christian Malzahn bei SpOn.

Samstag, September 15, 2007

Friede, Freude, Eierkuchen.

An einem Samstag zu demonstrieren, ist eine knifflige Entscheidung. Einerseits erreicht man mehr Laufkundschaft (und kann die Zahl der Demonstranten hochtreiben), andererseits ist Samstag ein klassischer Einkaufstag, erst recht am und um den Alexanderplatz, wo nun auch noch Alexa mit ihren Reizen lockt und selbst unter der Woche zur Geisterstunde die Massen anzieht

Die große Demo für „Frieden in Afghanistan“ hat sich dennoch für heute entschieden und soll einen „Höhepunkt“ der Demonstrationen gegen den Afghanistan-Einsatz der Bw darstellen. Zuallererst waren natürlich die üblichen Verdächtigen zugegen: SAV, MLPD, SPD – Moment, SPD? Ja, tatsächlich, ein kleiner unbeugsamer Infostand von Genossen forderte wacker und gegen die Parteilinie so Dinge wie den NATO-Austritt Deutschlands – und natürlich die Linkspartei. Hinzu kamen noch ein paar parteilose aufrechte FriedensfreundInnen und gläubige glaubende Pazifisten sowie ein paar Style-Punk-Gören, wobei ich mich noch immer frage, ob die am richtigen Ort waren oder sie die roten Fahnen und die Menschenmassen für den neuen „Media Markt“ hielten.

Ebenfalls unvermeidlich waren wohl die beiden Palästinenser-Fahnen (und – subjektiv gezählt – knapp über 10 Palituch-Träger, Verzeihung!, TrägerInnen) sowie die Flagge des Irak (natürlich MIT „Allahu Akbar“). Eine afghanische war anscheinend nicht aufzutreiben bzw. es war den Demonstranten egal. Denn die Themen wurden bunt durcheinander gemischt und man war gegen Krieg, Imperialismus, Kapitalismus, Hartz IV, Umweltverschmutzung, die derzeitige Bildungspolitik und vieles mehr. Zumindest eine peinliche Clown-Armistin war auch unterwegs, passenderweise in NVA oder Volkspolizei-Uniform, denn DDR-Insignien (oder allgemeiner Hammer und Sichel, Lenin, Marx, Engels und Che) waren ebenfalls sehr beliebt beim Publikum. Sehenswert waren auch der Demonstrant 50+, der offensichtlich kein Problem hatte, Starbucks-Kaffee auf der Demo zu trinken, oder der ebenfalls ältere Herr, über dessen Bauch sich ein Che-Abbild spannte.

Rhetorische Unterfütterung lieferte u.a. Peter Grottian, dem man den Professorentitel rückwirkend aberkennen sollte, auch wenn ihm zuzugestehen ist, dass er zumindest irgendwie versucht hat, zumindest keine „kausalen“ sondern nur „strukturelle“ Verbindungen zwischen Hartz IV und ISAF zu ziehen. Endgültig ins Reich der Verschwörungstheorien entschwand er aber, als er im Zuge allgemeiner Antirepressions-Agitation auch den vergangene Woche vereitelten Anschlag in Deutschland der bösen Regierung in die Schuhe schob (bestimmt hat er auch „Loose Change“ gesehen).

Eine grottenschlechte Frauengruppe führte irgendetwas auf der mobilen Bühne auf und angesichts des Lärms und Gebrabbels der Sprecherin konnte ich nicht anders als einem Polizisten in meiner Nähe mein tiefes Mitgefühl auszusprechen. Die Armen mussten sich das schließlich bis zum bitteren Ende antun.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die ganze Sache stinklangweilig war. Ein paar Jugendliche, die es nicht besser wissen und viele Alte, die der Vergangenheit nachtrauern. Beim Rückweg bestätigte ein Blick aus der Tram: Alexa zog deutlich mehr Menschen an – und erforderte immerhin ein geringeres Polizeiaufgebot.


Früher war alles besser.


Gott ist groß!


Deutscher Nationalismus ist ja verpönt. Glücklich der, der einen anderen Nationalismus verteidigen kann!
(Kinder durften übrigens auch Plakate tragen, ein klarer Fall von Kindesmissbrauch)



Raus aus der NATO! Nieder mit Bad Godesberg!



Das Marketinghandbuch hat gesagt,
die Botschaft müsse einfach und verständlich sein …



Klassische Ikonographie.
Was diese Damen und Herren wohl vor 65 Jahren hätten zerschlagen wollen?



Ey Mann, lass uns lieber zu H&M im Alexa gehen!
Nochn paar stylische Schals kaufen!



Wenn bitte schön, dann an unserer überlegenen Moral!


Ich frage mich ja immer noch, bei welchen weltweiten Kriegseinsätzen die DKP dabei war.
Ob sie den Beitrag der NVA zur Niederschlagung des Prager Frühlings meinen?



Auferstanden aus Ruinen …
Bei Alexa war mehr los. Immerhin gab es einen gut frequentierten Bratwurststand und ein Bierzelt,
auch wenn die eigentlich nicht zur Demo gehörten.


Sonntag, September 09, 2007

Guten Morgen

Im Jahre 1995 wurde in Oklahoma City eine Bombe gezündet, die aus Kunstdünger hergestellt wurde. Die vergangene Woche verhafteten Islamisten wollte ebenfalls mit frei erhältlichen Chemikalien Bomben bauen. Und da fragt man sich dann, warum insbesondere von Seiten der CDU/CSU mit großer Regelmäßigkeit die abstrusesten Sicherheitsgesetze gefordert werden, aber erst jetzt mal jemand auf die Idee kommt, den anoymen Kauf von Chemikalien, aus denen sich Bomben bauen lassen, zu verbieten.

Weiter gedacht: Das New York Police Department hat nach den verhinderten Anschlägen in Großbritannien im vergangenen Jahr eine „Bombenküche“ nachbauen lassen, um seinen Streifenbeamten zu demonstrieren, wie diese aussehen und worin sie sich etwa von „Drogenküchen“ unterscheiden. Gibt es so etwas bei uns auch?

Freitag, September 07, 2007

Expertenrat.

„Ganze Ermittlungszweige waren lahmgelegt. Und das war jetzt nur ein Fall! Aber es gibt 60 bis 80 Gefährder in Deutschland."

Freibergs Schlußfolgerung: Wenn auch in Zukunft Anschläge verhindert werden sollen, seien keine nicht zuerst neue Gesetze nötig, sondern viel mehr Polizisten. Laut Freiberg gibt es seit 2001 10.000 Polizisten weniger.


Ich glaube, ich habe hier schön öfters darauf hingewiesen: Hinter dem Rufen nach immer neuen technischen Möglichkeiten, schärferen Gesetzen und dem Inlandseinsatz der Bundeswehr steckt längst nicht nur populistische Reflexe, sondern auch ein handfestes Interesse: Wie kann man Stellen bei den Sicherheitsbehörden einsparen, ohne den Eindruck zu erwecken, man gefährde die „Innere Sicherheit“?

Leider scheint es bestens zu funktionieren.
Wer aber all die gesammelten Daten auswerten soll, ist dan auch noch nicht so ganz raus.

Terrorismusbekämpfung nach dem St. Florians-Prinzip.

Die Union will dazu nicht nur das Strafrecht, sondern auch das Ausländerrecht ändern. Wem nachgewiesen werden kann, dass er an Terror-Training im Ausland teilgenommen hat, soll keine Einreiseerlaubnis mehr erhalten oder abgeschoben werden.


Egal, warum da jemand bereit ist, Anschläge zu verüben, was interessieren uns denn die Ursachen?! Warum sollten wir denn die bekämpfen?!
Hauptsache, die machen das woanders. So kurzsichtig kann man den islamistischen Terrorismus also bekämpfen. Und wenn nebenbei noch das Grundrecht auf Religionsfreiheit geopfert wird, ist das auch schon egal. So nähern wir uns immer mehr der Gesellschaftsordnung an, die unsere Gegner verwirklichen wollen.

Gleichzeitig rechtfertigen wir in den Augen der islamistischen Ideologen noch mehr als zuvor Anschläge gegen Deutsche: Denn in ihren Augen unterdrückt die Bundesregierung die Verkündung der einzig wahren Religion. Und dies müsse, wie schon Sayyid Qutb schrieb, bekämpft werden. Somit stellt sich dieser Vorschlag Becksteins (selbst wenn er nicht umgesetzt wird, Islamisten sind da nicht so genau) für Islamisten und das deren Ideen zumindest teilweise unterstützende Umfeld ein weiteres Beispiel für den „Kampf gegen den Islam“ durch die „Kreuzfahrer“ dar. Auch die extreme Linke kann hier gleich wieder sekundierend von „Islamophobie“ schwadronieren, die den Antisemitismus abgelöst habe (und gleichzeitig eben diesen legitimiert).

Und wieder einmal werden Fahndungserfolge für populistisches Geschrei genutzt, inhaltliche Argumente schlicht nicht berücksichtigt und Sicherheitspolitik am Stammtisch gemacht.

Montag, September 03, 2007

Europas Kollaboration mit dem iranischen Regime

So lautete der Titel einer Podiumsdiskussion des (eigens für diese Veranstaltung gegründeten „Middle East Freedom Forum Berlin“ am Montag den 3. September 2007 in Berlin.

Als Diskutanten geladen waren Nasrin Amirsedghi, Henryk M. Broder, Richard Herzinger und Thomas von der Osten-Sacken.

Insgesamt gab es nicht unbedingt so viel Neues zu hören und ich bin eher deshalb hin, um etwas Abwechslung vom Lernen für meine Abschlussprüfungen zu haben. Wie erwartet ging die Diskussion dann auch in eine ganz gewisse Richtung, die sich (ganz) grob mit ‚Iran böse, Europa böse (USA gut)‘ zusammenfassen ließe.

Auch wenn es hart klingen mag, Amirsedghi war vermutlich der Tiefpunkt des Panels. Die Wortbeiträge waren eher hilflos und sie versteifte sich doch sehr darauf, Iran (bzw. die iranische Regierung) mit faschistischen Regimen bzw. dem Nationalsozialismus gleichzusetzen. Nun mag sie zwar eine verdiente Person sein und in der exil-iranischen Opposition eine wichtige Rolle spielen, wenn sie aber tatsächlich schon so lange nicht mehr im Iran war, wie angedeutet, wäre es doch etwas vage, sie als Stimme der iranischen Opposition zu bezeichnen.

Mit Henryk M. Broder ist es so eine Sache. Er bringt Sachverhalte sehr pointiert und polemisch vor – was auch Spaß macht, live noch mehr als beim Lesen seiner Texte. Allerdings sollte man nicht darüber hinwegsehen, dass seine Argumentation nicht sonderlich (selbst-)kritisch ist und eine klare Tendenz besitzt: Europa kollaboriere mit dem Iran, weil (a) der latente Antiamerikanismus und Antisemitismus der Europäer Ahmadinedschad reizvoll erscheinen lasse und (b) dessen Durchgreifen (so wie das Durchgreifen von Despoten insgesamt) „sexy“ sei. Als Beweis für den „Verlust sämtlicher Maßstäbe“ in Europa bringt er etwa Zeitungsberichte vor, laut denen gestiegene Hinrichtungszahlen ein Beleg für eine Liberalisierung des Iran seien.

Hier fordert er allerdings gleich mehrfach zum Widerspruch auf:
Europa ist ein Kontinent, auf dem jüdische Einrichtungen durch Zäune, Kameras und Polizei geschützt werden müssen, während auf englischen Radiosendern das (künstlerisch wie politisch) unerträgliche „Illegal Attacks“ von Ian Brown tagein tagaus dudelt. Und Antisemitismus und Antiamerikanismus sind in der Tat ein großes Problem auf dem Kontinent (inkl. dem Vereinigten Königreich). Ich behaupte aber dennoch, dass der Hauptgrund für das Verhalten Europas gegenüber dem Iran (neben den auch von Thomas von der Osten-Sacken angesprochenen wirtschaftlichen Interessen) der Mythos europäischer Außenpolitik ist. Diese definiert sich einerseits positiv als „Friedensmacht“, die insbesondere mit zivilen Ansätzen Krisen beseitigen und Stabilität schaffen möchte; und freilich andererseits negativ in Abgrenzung zu den „bellizistischen“ USA (da kommt der Antiamerikanismus doch auch wieder).
Insbesondere in Deutschland drückt sich das durch die naive Vorstellung aus, dass man doch über alles reden könne und sich Probleme so aus der Welt schaffen ließen. Diese reichlich post-moderne Einstellung passt zwar gut in eine liberale Demokratie, in der im Prinzip (und idealtypisch) jeder bereit ist, sich überzeugen zu lassen, aber nicht zu Verhandlungen mit Trägern geschlossener Ideologien. Wenngleich Broder also mit Blick auf Teile der Europäer wohl zugestimmt werden kann, ist der postmoderne Blickwinkel auf die Welt wohl das insgesamt größere Problem, denn dieser bestimmt die Wahrnehmung und Interpretation von Problemen sowie die Auswahl möglicher Lösungsansätze.

Gleichzeitig sollten wir realistisch sein. Die einzige Nation, die glaubhaft drohen könnte – die USA – haben aus goßer Dummheit (auch wenn ich Hussein keine Träne nachweine) ihre Kräfte im Irak gebunden und sind militärisch nicht unbedingt in der Lage, wirksam Iran an seinem Nuklearprogramm zu hindern.

Zu den gestiegenen Hinrichtungszahlen als Beispiel für Liberalisierung muss festgestellt werden, dass dies eine Frage der Interpretation ist. Gut möglich, dass es in der Tat zu einer Liberalisierung der Bevölkerung gekommen ist, der das Regime durch drakonische Strafen entgegenzuwirken sucht.

In einem anderen Punkt ist Broder allerdings uneingeschränkt zuzustimmen: Mit dem Zusammenbruch der Ostblocks hat die Linke ihr revolutionäres Subjekt endgültig verloren und hat auf der Suche nach einem neuen Schutzbefohlenen „die Muslime“ als unterdrückte Massen ausgemacht. Ganz in diesem Sinne bezeichnete etwa Desdemona Lioce, die in Italien wegen Terroranschlägen der „Roten Brigaden“ (die es dort noch immer, bzw. wieder, gibt) inhaftiert ist, die Muslime als „natürliche Verbündete der städtischen Proletarier“.

Es war auch in diesem Kontext, dass der ansonsten überraschend differenziert argumentierende von der Osten-Sacken einen blinden Fleck aufwies: Allianzen wie die zwischen Hugo Chavez und Mahmud Ahmadinedschad seien rein taktischer Art, nur auf gemeinsamen Feindbildern gegründet und aller Voraussicht nach nicht von langer Dauer. Hier irrt er allerdings. Neben dem von Broder ins Spiel gebrachten paternalistischen Trieb der Linken lassen sich gute Gründe dafür finden, warum zumindest die Gefahr besteht, dass dieses Bündnis durchaus längerfristig angelegt sein könnte. Ich entnehme sie in Kurzform meiner Magisterarbeit zum Thema „Ideologische Schnittstellen zwischen der extremen Linken und dem sunnitischen Islamismus“ (schamlose Eigenwerbung):
Anders als von von Osten-Sacken dargestellt, zeichnet den Islamismus (sunnitischer wie shiitischer Provenienz) nicht nur eine destruktive Zielsetzung aus. Vielmehr finden sich in den maßgeblichen Schriften dieser Ideologie allerspätestens seit Sayyid Qutb positive Zielbestimmungen, die etwa auch Usama Bin Ladin in seinem „Brief an Amerika“ vom 24. November 2004 aufgreift:

„[Islam] ist die Religion der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit zwisehen den Menschen. Die Religion, die jedem Menschen sein Recht zuspricht und die Unterdrückten und Verfolgten verteidigt.“

Ayman az-Zawahiri hat sich ähnlich geäußert. Auch Qutb betont die Idee der Gleichheit als wesentliche Botschaft des Islam und dieses Verständnis des Islamismus als sozialrevolutionäre (politische und ökonomisch-soziale – nicht religiöse – Probleme nehmen bei allen islamistischen Autoren einen wesentlichen Raum ein) Religion.

Die Umma als idealisierte Form des Zusammenlebens aller (im islamistischen Sinne rechtgläubigen) Muslime wird zum Gegenentwurf zur individualisierten modernen Gesellschaft, in der Zwang und Herrschaft von Menschen über Menschen abgeschafft wurden und die Religion des Islam das einigende Band darstellt. Hier ist insbesondere zu betonen, dass der Islam – wie alle großen Ideologien – universalistisch angelegt ist. Die Umma definiert sich nicht ethnisch, sondern ausschließlich durch die Religion, weswegen Chinesen, Afrikaner, Europäer und Amerikaner in dieser Konzeption friedlich miteinander leben können. Nur wer nicht zum Islam konvertiert (laut Qutb soll es keine Zwangskonversionen geben), hat damit zu leben, dass ihm als „dhimmi“ nur verminderte Bürgerrechte zustehen. Muslime egal welcher Herkunft hingegen sollen vollkommen gleich sein.

Die Forderung nach Gleichheit ist jedoch gleichzeitig das wesentliche Merkmal der Linken, so dass sich die Forderungen von Linker und Islamismus hier eindeutig überschneiden. Zwar gibt es hinsichtlich der Gleichheit von Homosexuellen oder Frauen im einzelnen Differenzen, diese scheinen jedoch nachrangig, wenn etwa Bin Ladin sich in besagtem Brief zum Kämpfer für die Rechte der Frau aufschwingt:

„Ihr seid eine Nation, die Frauen ausbeutet, als seien sie Konsumgüter oder Werkzeuge für die Werbung. Ihr benutzt Frauen, um Passagiere, Besucher und Fremde zu bedienen, weil ihr damit größeren Profit macht. Und dann faselt ihr, dass ihr die Befreiung der Frauen unterstützt. Ihr seid eine Nation, die den Handel mit Sex in all seinen direkten und indirekten Formen unterstützt. Riesige Konzeme und Einrichtungen betreiben diesen Handel und nennen ihn Kunst, Unterhaltung, Tourismus, Freiheit, oder benutzen einen der anderen, trügerischen Namen, die ihr ihm gegeben habt.“


Überdies lässt sich bei der Linken ein ‚positiver Rassismus‘ konstatieren, demzufolge bestimmte kulturelle Eigenarten akzeptiert werden müssten. Oder aber sie werden gleich als Überbleibsel einer alten Ordnung angesehen, die solange Bestand haben, wie die „Unterdrückung“ durch den Westen andauert. Hier ist auch der Faktor Religion nicht mehr von Bedeutung, denn im Rückgriff auf Marx mutiert der Islam(ismus) zum „Opium für das Volk“, das dieses benötigt, um die Last der „Unterdrückung“ zu ertragen. Daraus folgt, dass wenn dereinst diese Ketten abgestreift wurden, der Weg zum vollständig progressiven Linksislamisten frei sein wird.

Dass von der Osten-Sacken das nicht sieht, ist allerdings verständlich, immerhin ist er selbst noch Linker genug, um sein ideologisches Projekt nicht von denen korrumpieren zu lassen, die die negative Antipode zu seinem positiven Verständnis von Israel darstellen. Ein ähnliches Verhalten findet sich übrigens bei den „antizionistischen“ (also eigentlich und in aller Regel antisemitischen) und „antifaschistischen“ Linken wieder. Dort wird nämlich in schöner Regelmäßigkeit der Nationalsozialismus nicht als solcher bezeichnet, sondern schlicht als Faschismus. Die Entweihung des Begriffs „Sozialismus“ bringt ein wackerer Antifaschist gleichsam nicht übers Herz. Tatsächlich ist es aber so, dass auch die „feindliche“ Ideologie allzu häufig Elemente der eigenen aufzuweisen hat: les extrèmes ses touchent.

Um diesen Komplex abzuschließen muss noch ein Umstand erläutert werden: Ich zitiere Qutb und Bin Ladin, dabei ging es doch nicht um Sunniten sondern den schiitischen Iran. Tatsächlich ist dieser theologische Unterschied zwar in der sunnitischen islamistischen Ideologie relevant (Schiiten gelten als Ketzer, die getötet werden müssen), bei der Gesamtbetrachtung des Islamismus ist diese Unterscheidung jedoch zu vernachlässigen. Die Hauptprotagonisten der iranischen Revolution bezogen sich in starkem Maße auf die Schriften Qutbs und die gelungene Revolution im Iran befeuerte die in Stagnation geratene sunnitische islamistische Bewegung in gleichem Maße wie schiitische Islamisten; und die antiimperialistische, sozialrevolutionäre Rhetorik eines Ayatollah Khomeini ist mit der Qutbs, Bin Ladins oder az-Zawahiris ohne Weiteres vergeichbar. Qutb und Co. heranzuziehen ist folglich legitim.

Abschließend lässt sich ausgerechnet über Richard Herzinger am wenigsten berichten, so dass ich es bei der einfachen aber gleichwohl lobenden Feststellung belasse, dass er von den vier Panelisten die differenzierteste Sicht auf den Iran hatte. So lehnte er gleich zu Beginn des analytisch sehr unscharfen und eher moralisch fundierten Begriff des „Islamofaschismus“ ab (Teile der islamkritischen Linken sind schon weiter und verwenden den meiner Ansicht nach passenderen Begriff des „Umma-Sozialismus“), da dieser nicht gerechtfertigt sei. Und auch die verworrenen Herrschaftsverhältnisse im Iran, die eine Analyse der Politik der iranischen Regierung zusätzlich erschweren, wurde von ihm richtigerweise betont.

Abschließend kann festgehalten werden, dass es – natürlich – primär eine Veranstaltung war, die der Selbstvergewisserung der eigenen Meinung diente. Das ist am anderen Ende der Skala jedoch nicht anders und ich erinnere mich mit Schaudern an eine Veranstaltung der FES mit dem dann noch palästinensischen „Informationsminister“, in deren Rahmen unwidersprochen Israel von einem beleibten Herren aus dem Publikum als „faschistischster Staat der Welt“ bezeichnet werden konnte und der Nahost-Konflikt zur „größten und drängendsten humanitären Katastrophe der Welt“ wurde, während gleichzeitig in Sudan (arabische) Reitermilizen in einem Monat so viele Menschen umbringen, wie seit 1948 Palästinenser bei Kampfhandlungen starben (dabei oft genug als „Märtyrer“ a.k.a. Selbstmordattentäter).
Auch wenn ich dazu tendiere, zu differenziert zu sein und mich lieber zwischen alle Stühle zu setzen, die FES-Veranstaltung habe ich mit Wut im Bauch verlassen, heute hatte ich einfach nur Hunger.

Sonntag, September 02, 2007

Moderate Taliban.

The Taliban also wage intimidation campaigns against the population. Local officials report that one of the things that the insurgents do when they enter an area is to hang several local farmers, declaring them spies.

“The first thing they do is show people how brutal they are,” said Hajji Agha Lalai, the leader of the Panjwai district council. “They were hanged from the trees. For several days, they hung there.”

[…]

After moving though the area in large groups last summer, the Taliban now operate in bands of no more than 20. Instead of sleeping in freshly dug bunkers and trenches, they sleep in mosques and houses, apparently to avoid NATO airstrikes, or, in the event of an attack, to increase the likelihood of civilian casualties, villagers said.

“Last year, they had their own trenches and their own places,” one elder said. “Now, they are very close to the houses and families. Their tactics changed.”

Another elder said: “They are very rude. First, they ask you for food. Then, they search you 20 times.”



Na dann: westliche Streitkräfte raus aus Afghanistan …